Entspannung pur
Entspannung pur

Entspannung pur

Der Höhepunkt unserer Reise hält an. Wir wachen auf, die Kinder sind vor uns wach und helfen Siri, unserer Gastgerberin beim Frühstück. Ja, sie heißt wirklich Siri, ein typisch norwegischer Name und sie muss sich seit Jahren Sprüche dazu anhören. Die Arme. Relativ ausgeschlafen sitzen wir kurz nach halb 9 in der Küche des Hotels, bei einem typisch norwegischen Farmer-Frühstück mit selbstgemachter Salami, verschiedenem Käse, Honig und Brot. Es gibt in Norwegen einen speziellen Ziegenkäse, der ziemlich braun ist, weil der Milchzucker karamellisiert wird. Dadurch hat er einen relativ süßen Geschmack. Ich glaub, ich bin die einzige unserer Familie, die ihn ab und zu isst. Wir haben den Käse relativ am Anfang im Supermarkt gekauft und schleppen ihn seitdem mit uns rum. Hier gibt es Käse nur in recht großen Stücken, da in jedem Haushalt und so auch in den Ferienwohnungen immer ein Käsehobel zu finden ist. Gehört wohl zur Grundausstattung.
Jedenfalls gab es diesen Ziegenkäse Geitost heute morgen sogar in zweifacher Ausführung. Und Kaffee. Und ich glaub Siri hat sich etwas gewundert, weil wir wirklich alle wenig gegessen hatten. Das Abendessen gestern war einfach zu mächtig.

Nach dem Frühstück werden die Hühner, Kaninchen und die Pferde gefüttert, der Spielzeugtraktor auf den Hof gefahren, der Hofladen inspiziert. Nachdem auch die anderen Gebäude erforscht sind, können wir unsere Kinder nur mit Mühe zur Besichtigung der Hedalkirche überreden. Nachdem wir schon die Geschichte vom Bärenfell in der Kirche kennen, müssen wir uns die doch mal genauer anschauen. Leider warten wir vergebens, denn nach der Schulklasse wird die Kirche wieder abgeschlossen. Von einem norwegischen älteren Ehepaar werden wir gewarnt, dass wir vorsichtig sein sollen, jetzt haben die ganze Kinder und Jugendlichen in Norwegen Corona…

Zurück auf dem Hof entschließen wir uns, einen kleinen Mittagssnack einzunehmen und danach die Sonnenstrahlen zu genießen, mit Kaffee und Nachtischresten der gestrigen Völlerei. Am Nachmittag versuchen wir unser Glück beim Angeln, nur leider mit dem falschen Köder, wie wir im Nachhinein erfahren. Hechte stehen nicht auf Brot oder Insekten, meint Martin. Deshalb gab es also keinen Fisch…Dafür Reste aus der Bäckerei, die wir an die Angusrinder verfüttern. Am meisten stehen die Rinder jedoch auf Zimtschnecken. Eigentlich hätte ich da am liebsten selbst reingebissen. Die sind so lecker!
Interessant war auch, wie die Kühe gehalten werden. die sind den ganzen Tag auf der Weide, allerdings ohne Zaun und nur mit GPS ausgestattet. Rasmus kann übers Handy die Begrenzung steuern und sieht, wo sich die Rinder gerade aufhalten. und wenn sie an die Grenze kommen ertönt an deren Sender ein Signal. Gehen Sie weiter bekommen sie einen leichten Stromschlag. So konnten wir entspannt vor ihnen stehen, und sie füttern. Wir erfahren noch viel mehr über die Rinderzucht und das Siri und Rasmus früher als Ingenieur und als Lehrerin gearbeitet haben. Selbst der Koch ist ein Manager, der bis Corona in Oslo bei Konzerten und großen Events das Catering übernommen hat und nun lieber auf dem Land für z.B. uns kocht. Und genau das hat er getan: Mandelkartoffelpüree und eine Art Gulasch oder Schmortopf aus Angusrind und Herbst-Gemüse. Und zum Nachtisch selbst gepflückte Blaubeeren in einer Tarte verpackt und mit Vanilleeis. Soooo lecker. Ich bekomm gleich wieder Appetit darauf.
Schließlich striegeln die Kids noch die Pferde, auch die Kaninchen bekommen alten Salat und die Hühner altes Brot. Huch, da ist ja ein Ei frisch gelegt. Das bekommen wir morgen.

Die gemeinsame Tasche für zwei Tage Oslo und den Aufenthalt auf der Fähre sind gepackt. Und wenn wir das nächste Mal den Koffer öffnen, sind wir wieder zu Hause. Während wir noch darüber nachdenken, dass in eineinhalb Wochen Schule und die normale Arbeit wieder starten, steigt ein mulmiges Gefühl in uns hoch. Echt jetzt? Nun ists zu Ende? Lust dazu haben wir nicht. Eigentlich gar nicht. Nein, danke.

Nachtrag:
Vom Koch erfahren wir auch, dass in Norwegen der weltbeste Blauschimmelkäse hergestellt wird, Kraftkar. Wenn man den und nur den von einem Löffel isst und ihn im Mund mit einem Schluck Riesling mischt, explodieren die Geschmacksnerven und gefühlt das ganze Gesicht. Mal sehen, ob Martin das noch irgendwie reproduzieren kann.

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