Es war gestern abend spät, aber dafür sind wir heute morgen erstaunlich gut organisiert und flott unterwegs. Naja, eigentlich wären wir schon eher auf Tour, wenn ich nicht die norwegischen Bestimmungen per Google Übersetzer gelesen hätte und nicht ein schlechtes Gewissen gehabt hätte, eine gefüllte und im Spülvorgang befindliche Spülmaschine zurück zu lassen. Also lasse ich meinen mit den Augen rollenden Mann und die bereits im Auto verräumten Kinder zurück, um den Inhalt der Spülmaschine abzutrocknen und mit einem erleichterten Gewissen unserem Haus mit Wlan und Waschmaschine (;-)) den Rücken zuzukehren. Hinter uns liegen zwischenzeitlich über vier Wochen und vor uns die vorletzte Unterkunft. Allerdings ist ab jetzt Frühstück inklusive und auch Mittagessen/Abendessen kochen ist für die nächsten Tage nicht mehr möglich. Ich freu mich. Deshalb habe ich mal wieder alles umgepackt. Eine Kiste mit „das brauchen wir nicht mehr bis nach Hause“ und eine Kiste „Überleben im Hotel“. Weiter gehts mit den umgepackten Kisten und Koffern und wieder etwas mehr Platz im Kofferraum.
Next Stop: Fagernes. Hier ist ein empfehlenswertes Freilichtmuseum. Nicht, dass wir nicht schon eines gesehen hätten… aber das hier ist mit Kaffee und Musik, liegt auf einer Halbinsel am Rande der Stadt, hat ewig viele Hektar und eine Ausstellung zu Musikinstrumenten und Trachten und und und. Ich denke, das eignet sich gut für einen Stop. Die Kinder sind wenig erfreut beim Ausblick „nochmal einen Spaziergang in einem Freilichtmuseum“ zu machen, aber mit Aussicht auf ein Eis im Cafe stimmen sie widerwillig zu. Und während wir von einem Haus zum anderen ziehen, entdecken wir mal wieder Schafe, Kühe, Schweine, alles, was wir hier so selten bisher gesehen haben. Als sie dann noch einen Abstecher über einen eher wilden Naturpfad machen können und die Füße auch ins Wasser stecken können. ist auch der letzte Anflug von Unlust vergessen. In der Sonne erholen wir uns von den vielen schönen Eindrücken, bei Eis, Kaffee und Zimtschnecken.
Auch die Weiterfahrt, die nicht einmal eine Stunde dauern soll, gestaltet sich als abwechslungsreich:
Lastwagen mit Holzbeladung, Baustellen, Muldenkipper, Dampfwalzen, jede Menge Bagger und hydraulische Felsenbohrmaschine machen die Fahrt zum Erlebnis. Nicht, dass wir nicht schon ein paar davon gesehen hätten… aber so ein Männertraum ist eben auch in der Wiederholung nicht weniger schön. Und so erreichen wir unsere Zielfarm. Zu unserer Überraschung werden wir deutschsprachig begrüßt. Seltsam, nach so vielen Wochen der englischsprachigen Kommunikation außerhalb der Familie. Wir bekommen unser Haus gezeigt, aber unsere Kinder halten es dort keine zwei Minuten aus. Zu groß ist die Neugier und die Sehnsucht, alles zu erkunden. Die Pferde und den Hund, der eigentlich Schafe hütet, aber lieber auf die explodierten Woll-Kaninchen aufpasst, die Rinder und die Hühner. Es gibt so viel zu entdecken. Aber wo ist nur das Lama?
Beim Abendessen bekommen wir Angusrind, quasi aus eigenem Anbau, serviert, mit gegrilltem Gemüse und Kartoffelauflauf. Unsere Kinder helfen in der Küche bei Siri und Rasmus und so sitzen Martin und ich plötzlich bei Kerzenschein zu zweit und essen die letzten Happen des extrem leckeren Abendessens, gefolgt von Schokoladencreme mit karamellisierten Walnüssen und Himbeersorbet. Wir sind am Höhepunkt unserer Reise angelangt.
Wir erfahren mehr über das norwegische Leben in Corona-Zeiten, lernen ein wenig norwegisch und Wissenswertes über die Farm selbst. Mit überfülltem Magen, Kindern mit Kleingeld (das gabs von Siri für Küchenhilfe und Fliegen fangen) und gefütterten Tieren treten wir die wenigen Schritte Heimweg an. Die Farm ist toll, alles liebevoll eingerichtet, wunderbare Gastgeber… hier könnten wir länger bleiben. Selbst die Verfügbarkeit von Wlan ist vollkommen uninteressant.

