Für heute ist leider mal wieder Regen angesagt. Die Kinder haben bei der Wetterprognose ihre zunächst geplante Teilnahme an der Safari (auch wenn zu Fuß) kurzerhand bei mir storniert. So mache ich mich unmittelbar nach dem Frühstück allein auf den Weg nach Oppdal und mit zwei Guides sowie gut 20 weiteren, einigermaßen wetterfesten Personen auf den Weg zur Mochusochsen-Safari in den nahegelegenen Nationalpark. Von unserem Treffpunkt in Oppdal aus fahren wir noch gut 30 Minuten weiter in Richtung Süden und damit auch weiter in die Berge. „Meistens ist das Wetter dort besser – vielleicht gibt es sogar Sonne“ – sagen die Guides. Naja, heute wird es beim leichten Dauerregen bleiben…
Vom Parkplatz aus geht es direkt los in eine sehr eigenartig aussehende Landschaft. Aber schon nach den ersten Metern wird klar, was da so am Boden wächst und das Gebiet in hell- und dunkelgrüne Flecken einfärbt. Es sind Rentierflechten. Zunächst bleiben wir auf den Wegen des Nationalparks und lassen uns vom Guide nochmal das Jedermannsrecht in Norwegen erklären. Das bedeutet für uns auch, dass wir uns frei und auch abseits von Wegen und Trampelpfaden durch das Gelände bewegen können. Bereits nach gut einem Kilometer haben wir Glück und entdecken nach einer kleinen Steigung bereits die ersten Ochsen. Wir sind deutlich näher als die geplanten 200 Meter. Alle schauen gespannt, ob eine unserer Sicherheitsmaßnehmen greifen muss. Die besteht wahlweise aus langsam rückwärts gehen, schnell rückwärts gehen oder schneller als der langsamste Teilnehmer der Gruppe rückwärts Rennen. Aber keine davon müssen wir anwenden. Die Ochsen (ein Weibchen und 4 Jungtiere) fressen in alle Ruhe weiter und lassen sich von uns Touris nicht weiter stören. Nach der ersten Begegnung führen wir einstimmig die Suche nach weiteren Ochsen-Familien fort und trotzen Wind und Regen. Von weiten ist einige Zeit später noch eine Gruppe zu erkennen. Wir verlassen nun aber erstmal den Pfad und wandern etwas querfeldein über die Flechten, durch kleine Bäche usw. Auf den Flechten läuft es sich wie auf einer weichen Matratze – aber schon irgendwie komisch in einem Nationalpark abseits der Wege zu laufen… Später entdecken wir auch Schlafplätze der Ochsen auf einer Flechtenfläche. Zum Teil ist ihre Wolle daran hängen geblieben. Wie weich diese ist können wir nur erahnen. Heute ist sie auf jeden Fall nass. Wir wollen den zweiten Guide und seinen Teil der Gruppe wieder treffen, da es hier die Aussicht auf weitere Ochsen gibt. Vor einer kleinen Anhöhe gibt es jedoch erstmal Kaffee oder wahlweise Tee. Auf die Zimt-Brötchen vom ortsansässigen Bäcker (Verwandtschaft des Safari-Veranstalters) müssen wir noch etwas warten. Die gefrorenen Teile tauen bei den super Wind-Regen-Wetter leider nicht so schnell wie bisher in den Sommermonaten auf. Also marschieren wir weiter auf die nächste Ebene des Plateaus genau auf die nächste Gruppe an Moschusochsen zu. Leider kommen wir nicht ganz so nah wie bei der ersten Gruppe an die Tiere ran und der zunehmende Wind macht das Warten und Suchen auch nicht grad attraktiver. Da wir mittlerweile auch schon knapp 5 Kilometer unterwegs waren und der Himmel eher eine weitere Verschlechterung der Wetterlage erahnen lässt, machen wir uns wieder auf den Rückweg.
Wir folgen jetzt wieder den eher eingelaufenen Pfaden durch den Nationalpark und machen ordentlich Meter. Kurz vor dem Ziel starten wir nochmal einen Versuch mit den Zimt-Bröchten, die nun auch aufgetaut sind.
Noch ein paar Fakten zu den Ochsen: Sie wurden in der 50ern in dem Park ausgewildert. Aktuell leben ca. 260-280 Tiere in kleinen Gruppen zusammen. Die Population wird dabei nach dem Winter immer wieder auf die Anzahl verkleinert. Die „restlichen“ Tiere können im Hotel in Oppdal z.B. als Burger bestaunt werden 😉




