Irgendwie braucht man immer einen halben Tag, um sich einzurichten. Ein neuer Tag bricht an, in einer sehr schönen Unterkunft mit fantastischen Blick auf den Fjord. Mit Frühstück, entspannten Kindern, entspannten Eltern. Und Ruhe. Zu Hause ist auch Ruhe, landwirtschaftliche Ruhe… Hier ist nur Ruhe. Nichts anderes. Alles still. Wir haben nicht einmal gemerkt, dass morgens um 8 Uhr die Kühe des Landwirts von nebenan auf die Wiese hinter unserem Haus getrieben wurden. Ein altes Schulhaus in dem unten gelehrt wurde und oben der Lehrer wohnte. Das wurde aus dem untenliegenden Ort nach hier oben versetzt und ist schon einige Jährchen älter. Freilichtmuseum zum übernachten, sozusagen. Jedenfalls hört man die Kühe nicht, denn die Glocken tragen hier die Schafe. Das ist sehr witzig. Irgendwie denkt man ja dort hinten im Berg sind noch mehr Kühe – man ist aus den Alpen ja so konditioniert. Und jedes Mal wird man eines Besseren belehrt.
Und so gestaltet sich der Morgen nach dem Frühstück, wie so oft, mit Gegend erkunden, Tiere besuchen (je nach Verfügbarkeit) und den Plan für die Tage schmieden. Unserer lautete: das Wetter ist gut, in Stravanger fährt ein elektrischer Katamaran in den Lysefjord (www.rodne.no). Also begeben wir uns erneut in den 14 km langen (!) Ryfast-Tunnel unter dem Fjord entlang, um nach Stravanger zu kommen. Bei der zweiten Durchfahrt wirkt er gar nicht mehr so lang, wie am Abend zuvor.
In Stravanger also fahren wir mit dem Boot zwischen den ganzen verstreuten kleinen Inselchen hindurch, bis wir in den 40 km langen und an der tiefsten Stelle 500 m tiefen Fjord hineinschippern. Dort sehen wir neben dem berühmten Preikestolen auch die Fantahala und den Hangjanefossen, einen hübschen Wasserfall. Der Fjord ist prinzipiell eine wahre Sammlung an besonderen Sehenswürdigkeiten: Da gibt es noch die weltweit längste Holztreppe (Florli), die sich über 4444 Stufen erstreckt und noch eine Felskugel eingeklemmt zwischen zwei Felsen namens Kjerag. Außerdem fahren wir ziemlich nah ans Ufer, um die Bergziegen zu füttern. Die wussten schon, das wir kommen. Respekt, an welcher Art von (Ab-)Hang die immer noch herumgesprungen sind.
Aber da war er nun, der Preikestolen. Von unten sah der nicht so spektakulär aus. Gut, er war hoch. Aber sonst. Neben den ganzen tollen Felsformationen, die sich in diesem Fjord aneinander reihten, ging er doch etwas unter. Nachdem wir den Fjord verlassen und uns auf den Rückweg begeben, hielt der Katamaran noch in einem Restaurant, um dies mit Wein zu beliefern. Ziemlich beliebt soll das sein und hochpreißig, nur frag ich mich, wie die Leute da hin kommen. Von oben oder der Seite ging es nicht, denn das Restaurant war auf einem Felsvorsprung und sonst war dort nichts… naja, außer Wasser.


Zurück in Stravanger sehen wir uns noch ein wenig die Stadt an. Schade, dass der Dom, der sehr schön sein soll, einer Großbaustelle gleicht und komplett verhüllt ist. Dafür konnten wir die bunte Straße Ovre Holmegate bewundern und uns dort, als auch in der Hafenstraße vor der High Society als Touristen outen. Da wurde die Straße mit aufheulendem Motor passiert und am Freitagabend bei einem überteuerten Gläschen Aperol der Hafen begutachtet. Das waren noch Zeiten, in denen wir statt Funktionsjacken schicke und weniger praktische Klamotten und Schuhe trugen…
